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Wüstenkunst

Er träumte vom reinen Licht grenzenloser Naturräume und wurde in der Wüste fündig. Der Künstler Heinz Mack erlangte mit seiner Utopie des artifiziellen Gartens Weltruhm.

 

Die Szene mutet wie eine Anekdote aus dem Leben eines Freiheit der Kunst. Rockstars an: Der junge Wilde, der im Exzess den Spiegel seines Hotelzimmers zertrümmert. Tatsächlich war es im Auftrag der Kunst, als sich Heinz Mack am Hoteleigentum zu schaffen machte. Der berühmte Künstler experimentiert seit Beginn seiner Karriere mit Licht, Bewegung und Material. In den frühen fünfziger Jahren sprang er mit seiner Frau in einen kleinen VW-Käfer und fuhr in die Wüste. Wörtlich genommen. Dort, wo andere nur braches Land sehen, beginnt für Heinz Mack das kreative Abenteuer, sitzt die Quelle seiner Inspiration: das reine Licht in unberührtem, natürlichem Raum.


Die Natur ist die riesige Bühne des Künstlers – hier schafft er Werke zum Staunen, Lieben und Genießen.

Entgrenzte Räume
Ausstellungen in Museen und Galerien sind Heinz Mack wohlbekannt, sie faszinierten ihn damals nur nicht so stark wie der grenzenlose Raum. Von Anfang an fesselte ihn dieses Spiel aus Licht und Weite, das nur in der freien Natur anzutreffen ist. Den Auftakt bildete die Hotelzimmer-Episode. Mack brach den Spiegel aus der Verankerung, um mit dem Glas und den daraus resultierenden Reflektionen in der Wüste zu experimentieren.  Auf was er stieß, das war ein „unendlicher Raum, offen und tief, ohne Begrenzung“, der ihn in seinen Bann zog.

Die Freiheit der Kunst
Die Vorteile der Wüste als ein reicher und heller Raum liegen für den Künstler klar auf der Hand. Die Welt sei überladen mit Dingen und Gegenständen. Es fehle der Kunst an der Möglichkeit zu atmen, an Freiheit. Dem gegenüber stehe die Wüste als utopischer Raum: unverdorben und unberührt von den Fingerabdrücken der Zivilisation. 1959 schrieb Heinz Mack seine Ideen für das Sahara- Projekt nieder. Er nannte 13 Stationen, an denen bestimmte Objekte und Installationen aufgestellt werden sollten.

Nicht an allen Orten konnte dies realisiert werden. Die, die mit Kunst bespielt wurden, konstituierten den artifiziellen Garten. Eine Gruppierung aus Objekten, eine Sammlung von Lichterscheinungen, in der nur zwei Farben existierten: das Blau des Himmels und das Braun des Sandes. Mit dieser emergenten Form der Weltenkunst war Heinz Mack seiner Zeit voraus. Er hatte begriffen, dass Natur beides sein konnte, Material und Anschauungsobjekt. Kunst verstand und versteht Mack als Konzept der Freiheit und des Traums.


Der deutsche Künstler, der auszog, um die kreative Energie der Wüste zu finden.

Wüstenlicht
Aus dem Wüstensand ragt elf Meter hoch und gleißend ein Mast, mit Alumiumscheiben bestückt. Auf einem Dünenkamm reihen sich Glasscheiben, Drahtfächer vibrieren vor dem Sandsturm. Dazwischen ein blonder, großer Mann in einem silberfunkelnden Zweiteiler, der halb technische, halb fantastische Kunstgebilde im Sonnenlicht arrangiert. Bei dieser Person handelt es sich um keinen Schauspieler im billigen Kostüm eines Außerirdischen, wie ein französischer Journalist 1968 irrtümlich annahm, sondern um Heinz Mack. Der befand sich für seinen Dokumentarfilm „Tele-Mack“ einmal mehr auf Wüstenexpedition, diesmal in der tunesischen Oase Kebili.

Der Film dokumentiert die experimentelle Forschungsarbeit des Künstlers, der die Wüste als reine Naturbühne „ohne Fingerabdrücke“ der Zivilisation begreift. Zu diesem Zweck nimmt Mack den Kunstobjekten ihre Materialität. Sand geht in Himmel über, Luft streift über Sandreliefs. Himmel und Sand spiegeln sich seitenverkehrt in Quadraten, füllen Objekte mit Räumlichkeit. Heinz Macks Naturbühne wird zum Schauplatz einer Wüstenkunst, die weit intensiver und reiner ist, als es eine statische und übervolle Kunstausstellung je sein könnte.

Jardin artificiel
Die Wüstenkunst markierte einen Wendepunkt in der Karriere des Künstlers. Nach „Tele-Mack“ wurden Macks Arbeiten in etlichen Avantgarde-Galerien zwischen Paris und Tokio ausgestellt. Darunter berühmte Museen wie die Londoner Tate Gallery oder das New Yorker Museum of Modern Art. Auf die artifiziellen Gärten in der afrikanischen und arabischen Wüste folgte Licht-Architektur in der Arktis. Denn egal ob Wüste oder Arktis, Land oder Wasser, nur mit der grenzenlosen Weite des Raums kommt Heinz Mack seiner utopischen Vision näher: „Ich habe mir gewünscht, solche unübersehbaren Naturräume aufzusuchen, um einen zweiten, übersehbaren Raum, den Raum der Kunst, in ihnen zu verwirklichen.“


Über den Künstler:
Otto Heinz Mack wurde am 8. März 1931 in Lollar, Hessen, geboren. Er ist ein deutscher Bildhauer und Maler und Mitbegründer der international einflussreichen ZERO Gruppe. Bekannt wurde er durch seine experimentellen Lichtreliefs sowie seine Licht-Installationen in der Wüste, die zu den frühesten Beispielen der Land Art zählen.

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